Fernbehandlung im Modellversuch – erlaubt in Baden-Württemberg!

Fernbehandlung im Modellversuch – erlaubt in Baden-Württemberg!

Fernbehandlung – Modellversuch: So funktioniert es für den Patienten, Ärzte und Apotheken!

Ärztezeitung, 22.01.2018:

Eigentlich ist deutschen Ärzten die Fernbehandlung verboten. Die Berufsordnungen erlauben eine Behandlung per Telefon oder Internet nur, wenn der Arzt den Patienten schon kennt. Und den Apotheken ist es verboten, Rezepte zu beliefern, die erkennbar ohne direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient ausgestellt wurden. Doch seit Sommer 2016 erlaubt die Berufsordnung der Ärzte in Baden-Württemberg Modellprojekte, um die Fernbehandlung zu erproben.

„TeleClinic“ …

… ist ein Unternehmen, das mit dem Segen der Ärzte Fernbehandlungen anbieten darf. Die TeleClinic gewann die Ausschreibung der Ärztekammer für eines der Projekte und bereitet sich auf den Startschuss vor.

Der Patient:

So funktioniert das Fernbehandlungs-Konzept: Der Patient meldet sich bei TeleClinic an. Dann kann er sich dort telefonisch, online oder per App melden und sein Problem schildern. Eine medizinische Assistenz nimmt die Patientendaten auf und sammelt alle relevanten Dokumente. Dann organisiert sie eine Telekonsultation durch einen passenden Arzt zum vom Patienten gewünschten Zeitpunkt. Diese findet per Videotelefonie über die TeleClinic-Plattform statt. Der Arzt dokumentiert diese Beratung in der Patientenakte, die ebenfalls auf der Plattform gespeichert ist. Über 150 Fachärzte aus ganz Deutschland machen schon mit. Abgedeckt werden 30 Fachrichtungen, darunter Orthopädie, Pädiatrie, Dermatologie, Psychiatrie und Gynäkologie.

Die Rezepte …

… einer Fernbehandlung werden elektronisch direkt an die gewünschte Apotheke geschickt. Wie genau geht das?
Die digitalen Verschreibungen müssen mit einer qualifizierten elektronischen Signatur ausgestattet an die Apotheken übermittelt werden. Dazu arbeitet TeleClinic mit apotheken.de zusammen, dem Online-Service des Deutschen Apotheker Verlags.

Die Apotheke …

… bekommt das Rezept einer Fernbehandlung als „Reservierung“ eines Arzneimittels angezeigt. Das elektronische Rezept wird von der Apotheke dann im persönlichen Bereich auf mein.apotheken.de eingesehen, heruntergeladen und ausgedruckt. Da sich der Modellversuch – zumindest in der ersten Stufe – nur an Privatpatienten richtet, wird das Rezept ausgedruckt, ganz normal abgestempelt und dem Kunden mitgegeben, der es dann bei seiner Krankenversicherung einreichen kann.

Die einzige Voraussetzung für Apotheken, um an dem Modellprojekt teilzunehmen, ist die Anbindung an das „Reservierungssystem“ von apotheken.de

Ärzte…

… müssen Mitglied der Baden-Württembergischen Ärztekammer sein, damit deren Berufsordnung für sie gilt.

Bisher ist das Modellprojekt „Fernbehandlung“ nur für Privatversicherte und Selbstzahler zugänglich. Die privaten Krankenversicherungen Barmenia und Debeka sind als offizielle Projektpartner dabei, aber auch jeder andere Privatversicherte kann die Rezepte einreichen, wie TeleClinic erklärt. Ein vergleichbares Projekt für gesetzlich Versicherte steht aber schon in den Startlöchern

Quelle: Ärztezeitung 22.01.2018, Stuttgart

 

24. Januar, 2018|Trends/Themen|